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Afterschmerzen
Chronische Schmerzen im Enddarm bzw. Enddarmbereich

In einer Häufigkeit von ca. 2-3 % behandelten wir in unserer Klinik Patienten mit Afterschmerzen. Diese Häufigkeit dürfte darauf zurückzuführen sein, dass eine ambulante Schmerztherapie, hauptsächlich mit Analgetika (= Schmerzmittel), in diesem Körperbereich oft ohne einen deutlichen schmerzlindernden Effekt bleibt und deshalb häufiger Anlass zu einer Klinikeinweisung gibt. 

Ursachen von Afterschmerzen

Häufiger kommt es nach Amputat ion des Enddarm es zu anhaltenden Schmerzen im ehemaligen Enddarmbereich (Afterschmerzen), die meist auch in den Dam m ausstrahlen. 

Eine weitere Schmerzursache sind Operationen wegen wiederholter Ausbildung von Analfisteln (= ein unnatürliches, röhrenförmiges Gebilde). Diese Beschwerden können ebenfalls in den Dam m ausstrahlen.

Auch die Kokzygodyn ie (= Stei ßbeinschmerz) kann zu Afterschmerzen bzw. Schmerzen im Enddarm führen. Zu erwähnen ist noch die Procta lgia f ugax, gekennzeichnet durch anfallsartige (oft nächtliche) Afterschmerzen, häufig im Zusammenhang mit Hämorrhoiden.

Psychisch verursachte Afterschmerzen
Der Anogen italbereich
(= Enddarm- und Geschl echtsbereich) ist ein bevorzugter Körperbereich für symbolische Schmerzen im Rahmen einer Konversionsneurose. Den ersten Hinweis auf diese Schmerzentstehung liefert oft schon die Beschreibung des Schmerzcharakters. Fast regelmäßig wählen die betroffenen Patienten bizarre Ausdrücke wie z. B. "tierisch, wahnsinnig" oder "wie rohes Fleisch". Häufig fehlt ein Leidensdruck. Öfters werden die Beschwerden fast lächelnd oder auch teilnahmslos vorgetragen. Fast regelmäßig wird angegeben, dass Schmerzmittel nicht helfen würden. 
Diagnostik
(= Maßnahmen zur Erkennung einer Krankheit)
Psychogen verursachte Afterschmerzen persistieren (= verbleiben) auch während einer diagnostischen Spinal- oder Periduralanästhesie (= rückenmarknahe Betäubungen).

Da Schmerzen im Bereich des Dammes häufiger mit Afterschmerzen vergesellschaftet sind, werden möglich Ursachen hier auch aufgeführt:

Behandlung der chronische n Afterschmerzen (Schmerzen im Enddarm bzw. Enddarmbereich):

Nicht selten verbleiben trotz einer kausalen (= auf die Ursache gerichteten) fachärztlichen Behandlung weiterhin Afterschmerzen, so daß dann schmerztherapeutische Behandlungsmethoden gefragt sind. Oft sind diese bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen, da sie sich nach den Schmerzen und deren Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach der Ursache richten. Länger bestehende Afterschmerzen erfordern praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren, die i.d.R. nur in spezialisierte Zentren (Schmerzklinik) angeboten werden können. Bei Afterschmerzen, aber auch bei Schmerzen im Da mm (Da mmregion) sind dies: 

  1. Information über Afterschmerzen (Schmerzen im Enddarm bzw. Enddarmbereich)

  2. Medikamentöse Behandlung (u.a. Schmerzmittel, evtl. auch Spasmolytika (= Mittel  gegen Krampfzustände), Psychopharmaka, auch als Infusionen, individuell ausgetestet)

  3. Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) in Form von Infiltrationen und Nervenblockaden, evtl. rückenmarknahe Blockaden, auch kontinuierlich mit Katheter  

  4. Akupunktur

  5. Evtl. TENS-Therapie (schmerzlindernde elektrische Ströme, die von einem kleinen tragbaren Gerät abgegeben werden)

  6. Psychologische Therapieverfahren (bes. Entspannungsverfahren und Schmerzbewältigungstraining)

  7. Evtl. Physiotherapie (Krankengymnastik für den Beckenboden und Anwendungen, z.B. Sitzbäder) 

Eine Behandlung mit Analgetika (= Schmerzmittel) bleibt bei Afterschmerzen (Schmerzen im Enddarm bzw. Enddarmbereich) oft ohne einen deutlichen schmerzlindernden Effekt, allenfalls Opioide in höherer Dosierung mit entsprechenden Nebenwirkungen führen zu einer Linderung.

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) bei Afterschmerzen und Schmerzen im Da mm bzw. Da mmbereich:

Unterer Anteil der Scham lippen, hinterer Anteil des Hodensacks, Vestibulum vaginae (= Scheidenvorhof), Pen is, Da mm bzw. Da mmbereich und Afterreg ion werden sensibel aus dem Plexus sacralis (= Nervengeflecht aus dem unteren Rückenmark stammend) versorgt, so dass sich zur Therapie von Schmerzen in den angesprochenen Bereichen wiederholte epidurale (= rückenmarknahe) Betäubungen in Form des Kaudalblockes (= rückenmarknahe Betäubung in Höhe des Kreuzbeines) eignen.
Der Kaudalblock hat gegenüber dem lumbalen Epiduralblock
(= rückenmarknahe Betäubung in Höhe der Le nden) den Vorteil, dass eine geringere Dosierung benötigt wird, in der Regel reichen 5-8 ml z. B. Bupivacain (= ein langwirkendes örtliches Betäubungsmittel) 0,125-0,15 % aus. Zur kontinuierlichen Blockade mit Katheter* ist allerdings die lumbale epidurale Blockade (= rückenmarknahe Betäubung in Höhe der Le nden) wegen des geringeren Risikos einer En tzündung bzw. Infektion (= Eindringen von Mikroorganismen wie z.B. Bakterien) vorzuziehen, jedoch mit einer Ausnahme: Schmerzen im Bereich des Afters und Dammes nach Amputat ion des Enddarmes. In diesem Falle ist die Entzündungsquelle nicht mehr vorhanden, so dass ein Sakralkatheter* auch über einen längeren Zeitraum belassen werden kann. 

Schmerzen im Da mm als einziges Symptom, z. B. nach einer Geburt, können häufig mit einer wiederholten infiltrativen Lokalanästhesie (= örtlichen Betäubung) erfolgreich behandelt werden. Die isolierte Betäubung des N. pudendus (= Nerv der den Geschlechts-/Enddarmbereich versorgt) erfordert eine relativ hohe Lokalanästhetikum-Dosierung (2 x ca. 10 ml z.B. Bupivacain 0,25-0,5 %), so dass die Plexus sacralis-Blockade (Kaudalblock) vorzuziehen ist.

Erläuterungen:

*  Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muss also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, dass bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (= abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, hilfreich ist. Eine gute Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder geschädigten Nervs.

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